Kontakt
Menschen

Daniel Zeller: “Wenn es einfach wäre, dann könnte es ja jeder.”

16. Jul 2020
Wie dieser Artikel entstanden ist

Hinter unseren Inhalten steht eine echte Redaktion aus Menschen. Bei Recherche und Erstellung setzen wir unterstützend KI-Werkzeuge ein. Jeder Artikel wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion gelesen und überarbeitet.

Daniel Zeller: „Wenn es einfach wäre, dann könnte es ja jeder.“

Was, wenn deine Leidenschaft einem Sport gilt, der in anderen Teilen der Welt riesige Stadien füllt, hierzulande aber eine vergleichsweise geringe Präsenz hat? Daniel Zeller spielt in der ersten Bundesliga Baseball bei den Stuttgarter Reds und hat im letzten Jahr für die U23-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gespielt. Doch in Deutschland ist es in seiner Sportart im Vergleich zu den USA deutlich schwerer, eine professionelle Karriere aufzubauen und mehr als eine Leidenschaft aus dem Sport zu machen. Daniel Zellers Passion übersteht seit jeher diese Herausforderungen, die ihm der Baseball-Sport in Deutschland nun mal stellt. Seine Begeisterung für den Sport geht bis zu seinen Spielen mit seinen Brüdern in jungen Jahren zurück, die allerdings, anders als er, nicht den professionellen Weg eingeschlagen haben.

Der Unterschied: Ehrgeiz statt Zufall

„Ich denke der Unterschied zwischen mir und meinen Brüdern, war hauptsächlich mein Ehrgeiz. Meine Brüder waren zwar auch gut, mein kleiner Bruder war auch in ein/zwei baden-württembergischen Auswahlkadern dabei, aber nicht so erfolgreich. Beide haben mit dem Baseball aufgehört, als bei ihnen das Studium anfing. Ihnen wurden die beruflichen Ziele wichtiger als die sportlichen Ziele. So viel wichtiger, dass sie dann auch umgezogen sind für ihr Studium.“

Früher Start auf internationalem Parkett

Daniel dagegen hat schon in frühen Jahren einen professionellen Pfad im Baseball eingeschlagen. Bereits mit dem U12-Team ging es für ihn auf internationale Spielfelder, auf denen er Deutschland vertreten durfte.

„Es gibt amerikanische Organisationen, die eine Art Weltmeisterschaft für Altersklassen organisieren. In Amerika gibt es für jeden Staat Qualifier. Die besten Teams schaffen es dann zu dieser WM. International gibt es Qualifier für Europa, Afrika, Asien, Australien, wo sich dann die besten Teams für die WM qualifizieren können. Wir haben damals den deutschlandweiten Qualifier gewinnen können und deshalb Deutschland vertreten dürfen. Wir haben dann auch bei der Europameisterschaft gespielt. Mit 17 war ich dort wieder dabei, das war dann schon der Nationalkader, anders als bei dem U12-Team, wo wir einfach Deutschland vertreten durften. Aber so richtig nationalmannschaftsmäßig war ich zum ersten Mal bei der U23 dabei.“

Vom Verein statt vom Internat

Gerade bei der U23 waren die meisten Spieler schon auf den Baseball-Internaten Regensburg oder Paderborn. Bei Daniel Zeller war es so, dass er hauptsächlich im Verein gespielt hat, da er dort sehr früh gefördert wurde. Mit 15 war er bereits beim Kader des Bundesliga-Teams in Stuttgart dabei.

„Deshalb war ich nicht so viel bei den Baseball Camps und der deutschen Baseball Akademie, wie vielleicht andere junge Spieler. Damals war ich noch so ziemlich das einzige junge Talent bei uns, das da so früh mitgemischt hat. Heute haben wir eine Baseball-Akademie in Stuttgart, wo viele junge Spieler mit viel Talent unterwegs sind. Ich war damals quasi der Erste.“

Schule, Training und der erste große Verzicht

Ohne den Vorteil eines Internats, das Training und Unterrichtsplan unter einen Hut bringt, musste Daniel in seinem Schulalltag häufiger zwischen Lernen und Training entscheiden – was ihm jedoch recht leicht fiel.

„Während der Schulzeit hab ich wirklich viel Zeit in meinen Sport investiert. Ich war quasi jeden Tag nach der Schule auf dem Sportplatz und am Wochenende war ich bei der Bundesligamannschaft dabei und hab dort gespielt. Ich habe wirklich sehr viel Zeit reingesteckt. Während der Schulzeit ging das so noch, weil ich nie so viel lernen musste.“

Doch auch wenn das Lernen nie das große Problem für Daniel war, muss ein junger Sportler besonders zu Beginn des Leistungssports lernen, auf viele Dinge zu verzichten, die für andere Jugendliche ganz alltäglich sind und auch dazugehören.

„Selbstverständlich musst du während der Schulzeit schon viele Abstriche machen. Privatleben an sich ist halt schwierig. Wenn die ganzen Freunde dann feiern gehen, hast du eben immer Training und Samstag und Sonntag Spiele. Wobei das für mich an sich nie ein großes Problem dargestellt hat, weil mein Sozialleben auch total mit meinem Sport und Verein verankert war und ist. Ich hatte eben immer schon die gleichaltrigen Freunde im Juniorenteam und Teamkollegen aus der Herrenmannschaft.“

Der Sprung von der Jugend in die Bundesliga

Nach der Schule kam dann der richtige Schritt von den Juniorenteams zu den Aktiven. Auch wenn er bereits sehr früh Erfahrungen bei den Älteren gesammelt hatte, spürte Daniel doch den Leistungsdruck der höheren Liga.

„Natürlich war das ganze Drumherum einfach cool. Allein die Fahrten und die Hotelübernachtungen, aber hauptsächlich war es das Leistungsniveau und die Spielweise, die sich unglaublich von den Juniorteams unterscheiden. Man spielt auf einmal vor so vielen Zuschauern und das Niveau ist eben deutlich höher.“

Warum das Niveau in der Bundesliga so hoch ist

Dieses höhere Niveau ist leicht durch die Eigenheiten des Baseball-Sports in Deutschland zu erklären. Als semiprofessionelle Liga stellt Deutschland nicht viele eigene Profi-Athleten in den regionalen Teams. Diese bestehen üblicherweise aus einigen Profis, viele davon aus dem Ausland, während der Rest des Teams eher auf hohem Amateurlevel spielt. Und in einem Sport wie Baseball, der sehr stark um direkte Duelle zwischen Pitcher und Schlagmann aufgebaut ist, kann das ein echtes Problem sein. Daniel Zeller erklärt das Prinzip im Vergleich zu einem Amateurspieler im Fußball.

„Wenn du einen guten Stürmer hast, musst du gegen den gut verteidigen, aber beim Baseball ist es so, dass es eigentlich immer ein Eins-zu-Eins-Duell ist. Und das spielst du eigentlich ausschließlich gegen Profi-Spieler, oder Spieler, die in den USA kurz davor waren, einen Profi-Durchbruch zu haben und den knapp nicht geschafft haben. Als würdest du die ganze Zeit Elfmeter schießen und im Tor steht ein Profi-Torwart.“

Die Profis in den Teams stammen üblicherweise entweder aus der Nationalmannschaft oder sind Profi-Spieler aus ausländischen Teams, die ihre jeweilige Off-Saison nutzen, um für lokale Teams angeworben zu werden. Für junge deutsche Athleten, die es im Baseball weit bringen wollen, ist es also besonders schwierig, gegen solche Gegner zu bestehen.

„Wenn man als deutscher Jugendspieler großen Ehrgeiz hat und Talent hat, hat man würde ich sagen die besten Chancen, wenn man auf ein Sportinternat geht. Dort kommen regelmäßig hoch angesehene Scouts vorbei.“

Der Traum von der MLB

Wer sich von Scouts anwerben lassen kann, hat eine Chance auf Baseball in den USA, wo der Sport die größte Popularität hat. Natürlich ist es noch keine Garantie, in der höchsten Liga der MLB (Major League Baseball) zu spielen, wenn man von einem Scout entdeckt wird.

„Die jungen Spieler fliegen dann in die USA und es beginnt ein langjähriger Prozess, wo man sich durch die Farmteams durchkämpfen muss. Dort verdient man kaum was und muss sich Jahr für Jahr behaupten. Wenn man besser wird, steigt man immer weiter auf. Wenn man gut ist und etwas Glück hat, landet man irgendwann nach jahrelanger Arbeit auf dem Zettel eines Managers. Dann ist der nächste Schritt die MLB, der Traum eines jeden Sportlers, der diesen Weg einschlägt.“

Bei Farmteams handelt es sich um untere Ligen, die die größeren Vereine zum Teil zur Rekrutierung für die Major League nutzen. Die Chancen für einen deutschen Athleten, diese Reise zu schaffen, sind jedoch gering.

„Ich würde sagen, dass es bis jetzt zwei Dutzend deutsche Spieler gab, die es in die USA geschafft haben. Ganz oben etab

Anzeige